28. August 2006

SEPA – Die Vision wird Realität

In 460 Tagen wird der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum, die "Single Euro Payments Area" (SEPA) für sämtliche Bankkunden Realität. Vom 1. Januar 2008 an können Bürger, Unternehmen und öffentliche Verwaltungen europaweit auf der Basis einheitlicher Standards und Regeln Euro-Zahlungen überweisen, einziehen lassen und per Debitkarte abwickeln. Die Deutsche Bundesbank und die im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) zusammenarbeitenden Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft haben heute (28. August) in einer gemeinsamen Pressekonferenz alle Beteiligten dazu aufgerufen, sich intensiv auf den "Kraftakt SEPA" vorzubereiten, um den Erfolg des Projekts sicherzustellen.

Das für den Zahlungsverkehr zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Hans Georg Fabritius, forderte die öffentliche Hand auf, "die neuen Zahlungsverfahren politisch und praktisch – durch möglichst frühzeitige Anwendung – zu unterstützen". Er betonte: "SEPA ist ein großes politisches Projekt, nämlich Teil der Vollendung des EU-Binnenmarktes. SEPA ist in seiner Dimension annährend mit der Euro-Einführung und der Jahrtausend-Umstellung vergleichbar." Die Bundesbank werde die neuen Zahlungsverfahren in ihrem Clearingsystem EMZ  ab 1. Januar 2008  anbieten. Damit könnten neben den Banken auch öffentliche Kassen SEPA-Überweisungen und -Lastschriften über die Bundesbank abwickeln.  Fabritius setzte sich zugleich für zügige Verbesserungen an der EU-Richtlinie für Zahlungsdienste ein. Die Verabschiedung dieses Rechtsrahmens als Voraussetzung für einen Binnenmarkt im Zahlungsverkehr ist für Oktober vorgesehen.  Fabritius erklärte weiter: "Entscheidend ist, die Akzeptanz der neuen Zahlungsverfahren insbesondere durch Großanwender zu fördern." Es müsse bis 2010 eine hinreichende Nutzung der neuen SEPA-Verfahren, die so genannte kritische Masse, erreicht werden. "Wir sollten frühzeitig einen Endtermin für die endgültige Ablösung der Alt-Verfahren fixieren, damit das Projekt nicht in der Schwebe bleibt". Das Bundesbank-Vorstandsmitglied versicherte: "SEPA wird den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr beleben. Dadurch sind langfristig Kostensenkungen zu erwarten, von denen die Verbraucher und die Unternehmen als Bankkunden letztlich profitieren werden."

Für den ZKA sagte Hubert Piel, Vorstand des in diesem Jahr federführenden Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): "Die deutsche Kreditwirtschaft bekennt sich uneingeschränkt zu den Zielen der SEPA und wird die neuen Zahlungsinstrumente fristgerecht implementieren." Auch Piel nannte es "entscheidend für den Erfolg der SEPA", dass bereits Anfang 2008 möglichst viele Kunden die neu angebotenen Zahlungsinstrumente nutzen. Von den öffentlichen Stellen, die die SEPA stark vorantrieben, erhoffe sich der ZKA nun beim Einsatz der neuen Zahlungsinstrumente eine Vorreiterrolle.  Die deutsche Kreditwirtschaft habe bei der Gestaltung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes einen sehr aktiven Part eingenommen. Mit electronic cash habe die deutsche Kreditwirtschaft bereits im September 2005 als erster Anbieter ein Kartenzahlungssystem europaweit geöffnet. Damit können Kunden ihre Karte in ganz Europa verwenden ohne einen Unterschied zum Einsatz im Heimatland zu erkennen. Zusätzlich ist ab Mitte 2007 durch eine Vernetzung der nationalen Kartenzahlungssysteme eine noch breitere Akzeptanz der deutschen Debitkarten in den wichtigsten europäischen Reiseländern, z. B. in Italien, Spanien, Portugal und Großbritannien vorgesehen.

"Die Schaffung der SEPA durch Selbstregulierung ist der von der Kreditwirtschaft gewählte und richtige Weg", betonte Piel. Er warnte mit Blick auf die Beratungen über die EU-Richtlinie für Zahlungsdienste vor einer massiven Überregulierung, die bestehende bewährte Strukturen und Prozesse zerstören könne. Für die deutsche Kreditwirtschaft sei heute der Endtermin der gesamten Umstellung auch im Inlandszahlungsverkehr noch offen. Hierüber wolle man erst "nach der Einführung der neuen Verfahren und einer ersten Bewertung der Erfahrungen hiermit in der Praxis und vor allem nicht über die Köpfe unserer Kunden hinweg" entscheiden.

Der deutsche Zahlungsverkehrsmarkt zählt zu den größten und leistungsfähigsten in Europa. Deutsche Kreditinstitute wickeln 23 Prozent des gesamten bargeldlosen Zahlungsverkehrs in den 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ab. Dabei entfallen 32 Prozent aller Überweisungen auf Deutschland - jährlich mehr als 6,2 Milliarden Stück. Arbeitstäglich werden rund 60 Millionen unbare Zahlungsvorgänge durchgeführt, davon entfallen im ca. 25 Millionen auf Lastschriften und Überweisungen und knapp 9 Millionen auf Zahlungen per Debitkarte. In keinem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union werden mehr Lastschriften abgewickelt als in Deutschland.


Ansprechpartner:

Melanie Schmergal
für den Zentralen Kreditausschuss
Bundesverband der Deutschen
Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.,
Tel.: 030/2021-1320

Heiner Herkenhoff
Bundesverband deutscher Banken e.V.,
Tel.: 030/1663-1200

Dr. Stephan Rabe
Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands e.V.,
Tel.: 030/8192-160

Stefan Marotzke
Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V.,
Tel.: 030/20225-5110

Dr. Helga Bender
Verband deutscher Pfandbriefbanken e. V.
Tel.: 030/20915-330

Teilen

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.