Gemeinsamer Mindeststandard zur Zielmarktbestimmung (überarbeitet)

Im Rahmen der Product Governance-Anforderungen nach MiFID II müssen die Hersteller von Finanzinstrumenten einen Zielmarkt für die von ihnen aufgelegten Produkte definieren. Diesen Zielmarkt müssen die Vertriebsstellen beim Vertrieb der Produkte berücksichtigen. Letzteres ist im Massengeschäft nur möglich, wenn der Zielmarkt für alle Produkte nach einheitlichen Kriterien bestimmt wird. Aus diesem Grund haben die Verbände der Deutschen Kreditwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) und dem Deutschen Derivate Verband (DDV) für den deutschen Markt einen gemeinsamen Mindeststandard zur Zielmarktbestimmung abgestimmt. Der gemeinsame Standard wird im deutschen Markt fast durchgängig genutzt. Da auch Institute aus anderen Mitgliedstaaten der EU Interesse bekundet haben, den deutschen Standard zu nutzen, wurde der Mindeststandard auch ins Englische übersetzt.

Der aus 2017 stammende Standard wurde Anfang 2021 aktualisiert. In der aktuellen Fassung wurden neben einigen redaktionellen Anpassungen auch die folgenden Modifizierungen vorgenommen:

  • Bei dem Zielmarktkriterium „Kundenkategorie“ (Folie 8) wurde ein Hinweis auf eine Q&A der ESMA aufgenommen. So sind CoCo-Bond-Fonds gemäß Kap. 16 Q&A Nr. 1 der ESMA aus "Questions and Answers On MiFID II and MiFIR investor protection and intermediaries topics" (ESMA35-43-349) grundsätzlich als nicht für Privatkunden geeignet einzustufen. In Umsetzung der regulatorischen Anforderung soll für CoCo-Bonds-Fonds daher nicht die Ausprägung „Privatkunde“ gewählt werden.
  • Bei dem Zielmarktkriterium „Kenntnisse und / oder Erfahrungen“ (Folie 9) wird bei der Zuordnung von Index-Zertifikaten unterschieden. So solle für Index-Zertifikate auf Standardindizes (siehe dazu die ebenfalls neu eingefügte Definition in einer Fußnote) mindestens die Ausprägung „Kunde mit Basis-Kenntnissen und / oder Erfahrungen mit Finanzprodukten (1)“ gewählt werden. Für alle übrigen Index-Zertifikate soll hingegen mindestens die Ausprägung „Kunde mit erweiterten Kenntnissen und / oder Erfahrungen mit Finanzprodukten (2)“ gewählt werden.
  • Ebenfalls bei dem Zielmarktkriterium „Kenntnisse und / oder Erfahrungen“ (Folie 9) wurde festgehalten, dass strukturierte Wertpapiere, die ein Hebelprodukt im Sinne des Art. 62 Abs. 2 MiFID II-DVO 2017/565 darstellen, der Ausprägung „Kunde mit umfangreichen Kenntnissen und / oder Erfahrungen mit Finanzprodukten (3)“ zugeordnet werden sollen.
  • Bei dem Zielmarktkriterium „Bedürfnisse des Kunden“ (Folie 15) wurde der Hinweis aufgenommen, dass dieses Kriterium perspektivisch um die Ausprägungen der Nachhaltigkeit ergänzt wird. Zum jetzigen Zeitpunkt werden die Ausprägungen nicht in den Standard aufgenommen.  

Die Hersteller werden gebeten, die o.g. Punkte bei der Bereitstellung von Zielmärkten an die deutschen Vertriebsstellen zu beachten.

 

(Stand: 21. Mai 2021)

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